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Kaiserschmarrn


Hochverehrte Leserschaft,

heute entführen wir Sie mal wieder in die höchsten Höhen des Klassikerhimmels. Es handelt sich um ein Gericht, das sowohl zur Hauptspeise wie auch zur Nachspeise, als die es unverständlicherweise meistens angeboten und nachgefragt wird, geeignet ist.

Diesem glücklichen Umstand haben wir es auch zu verdanken, dass wir es gekocht haben. Ihnen ist ja vielleicht aufgefallen, dass wir verhältnismäßig wenige Süßspeisen auf unserer Seite dargestellt, respektive gekocht haben.

Das liegt daran, dass wir, ungelogen, bestimmt 10 mal schon das Zeug für Nachspeisen eingekauft hatten, es dann aber schlichtweg nicht mehr schafften, weil wir uns soviel von der Hauptspeise reingehauen hatten, dass keiner mehr einen Bissen runterbrachte oder, wenn doch noch Lust auf eine Nachspeise bestand keiner mehr, selbst unter äußerster Anspannung des Gewissens nicht, die Motivation aufbrachte sich hochzuwuchten und anzufangen irgendwelche Eier zu trennen.

So führten die Nachspeisen eher ein Mauerblümchendasein bis zu dem denkwürdigen Tag, als wir uns daran machten die Süßspeise der Süßspeisen zu versuchen...

Den „Kaiserschmarrn“

Um eines klarzustellen: Ein Kaiserschmarrn sind keine auseinander gerissenen und dann unglücklich erneut in der Pfanne vermantschten Pfannkuchen oder was sonst auch immer, wieder und wieder für einen Kaiserschmarrn gehalten wird.

Von königlichem Geblüt stellt dieses Zentralgestirn des KuK-Süßspeisenhimmels, dieses Gedicht aus Süße, Fülle, Erinnerungen und Hoffnungen einen der klassischsten Klassiker dar, der, wenn er gut gemacht ist einen Tag, ach was eine Woche- denken Sie nur an romantische Skihüttenaufenthalte bei Glühwein und bei Kaiserschmarrn, kalten Nasen und warmen Lippen- das Leben versüßen kann, aber der auch zu schwersten Zwistigkeiten ob der immer aktuellen Frage führen kann: Rosinen oder nicht Rosinen.

Ein jeder war nicht weniger aufgeregt als vor der ersten Nacht mit einer viel zu schönen, viel zu klugen Frau, von deren Liebe man hofft sie sei so, wie nach gegenwärtiger Überzeugung die eigene: unerschütterlich und mindestens lebenslang. Na ja bisschen übertrieben, aber so ein Schmarrn, das ist schon was...

Und dementsprechend groß war die Anspannung. Schauplatz war Lukis Küche. Notdürftig von Fahrrädern befreit weil der Luki „Hottie Hot Man“ Schaudinn ja mit unserem werten Herrn Meier zusammen begeisterte und welterfahrene Downhillbiker sind und die Zentrale dieses Erfolges dem Luki seine Küche. Ausreichend Sicherungen waren gekauft, die fliegen nämlich immer wenn mehr als 2 Platten und der Ofen an sind, Wein und Bier waren da. Es konnte losgehen.

Jörg „der Messbecher“ Katzlinger und Mori „das machen wir nach Gefühl“ Meier taten dankenswerterweise diesen ersten Schritt auf dem Weg zu höchsten Genüssen, tatkräftig unterstützt von Nobsi „controlling“ Liebisch und meiner Wenigkeit, der ich an diesem Abend nur im Eck saß und, Spannungen geschickt ausgleichend, d.h. blöd daherredend, Wein trank.

Der Hausherr Luki „Hottiehotman“ Schaudinn sprang leicht aufgelöst umher weil doch einige
Küchenutensilien und Zutaten (natürlich gabs noch was anderes, nämlich Kartoffelsuppe. Das mit der theoretischen Eignung als Hauptgericht war nur ein geschickter psychologischer Schachzug meinerseits damit wirs überhaupt machten) fehlten, was der Jörg für jedes Einzelne von Ihnen mit dem bei ihm schon fast legendär zu nennenden Satz quittierte: Mei hättst halt was gsagt, das hätt`ich doch daheim gehabt.

Wie man sich vorstellen konnte spannte sich so eine doch leicht aggressive Atmosphäre über das schaudinnsche Küchenreich bevor noch das erste Ei getrennt war.

Die Spannungen die in der Luft, ja man kann sagen knisterten, waren zum Greifen als es dann um die Rosinen ging. Ich mag ja keine Rosinen, aber in Rum eingelegt passen sie schon rein. Oder nur den Rum. Wir hatten aber glaub ich noch nicht mal welche, aber hätten wir was gesagt...und so wurde das ca. 15 Minuten lautstark lamentierend diskutiert...

Dass es dann, nachdem der Teig ohnehin kompliziert und in kleinen Schritten, begleitet von zäher Verhandlerei, ob nun alles genau abgemessen wurde oder nicht, fertig gestellt war, nicht zu einer Schlägerei kam lag nur an unser aller unerhörter Herzensbildung. Es entspannte sich aber um die Vorherrschaft über die Pfanne eine stumme, unerbittliche Schlacht zwischen dem Meier und dem Jörg.
Man muss hinzufügen, dass beide damals zwei grundlegend unterschiedlichen Schulen angehörten was das Umdrehen angeht. Die- Mori „des drehen wir erst in der Pfanne um wenn´s schön braun ist, eher spät und nur einmal“-Schule vs. die Jörg „alle 10 Sekunden wird umgedreht dass es gleichmäßig brau wird und nicht anbrennt“-Schule. Mittlerweile hat man sich geeinigt.
Beide versuchten sich stoisch und unter allerlei Vorwänden von den Pfannen zu verdrängen. Kam nun der Mori an die Pfanne versuchte er sich möglichst breit hinzustellen, flinke Blicke über die Schultern werfend um die behende Dreherei möglichst lange zu unterbinden.
Der Jörg hingegen lauerte auf Konter, heller und schneller als die Italiener in der Nachspielzeit und so gelangen ihm, trotz der meierschen Betondefensive einige Vorstöße, in denen er dann den Kaiserschmarrn so schnell umdrehte, dass nur mehr eine Hochgeschwindigkeitskamera in der Lage gewesen wäre dem zu folgen.

Im Ganzen hat das dann sehr gut gepasst und das mit den Rosinen haben wir dann salomonisch gelöst, in dem wir am Ende den Kaiserschmarrn flambiert haben. Vielleicht etwas ungewöhnlich, aber geschmeckt hats und so haben wir „unser erstes Mal“ mit einem Royal ganz gut hingebracht.

Und hier nun endlich das Rezept:

ZUTATEN FÜR 6 PORTIONEN ALS NACHSPEISE (BEI HAUPTSPEISE DANN ENTSPRECHEND MEHR, VIELLEICHT DAS DOPPELTE)
375 ml Milch
9 Eiklar
9 Eidotter
195 g Mehl, glatt
3 El Kristallzucker
Schuss Rum
1,5 EL Vanillezucker
etwas Zitronensaft
3 EL Rosinen
Prise Salz
Kristall- und Staubzucker zum Bestreuen
Butter zu Backen

ZUBEREITUNG
In einer Schüssel Eiklar mit Kristallzucker zu Schnee schlagen. In einer anderen Schüssel Eidotter mit Vanillezucker mit Handrührgerät auf höchster Stufe schaumig schlagen.
Die Milch, Mehl, Zitronensaft, Rum und eine Prise Salz zugeben und alles glatt rühren. 2/3 Schnee unter den Teig heben, dann das restliche 1/3. In einer großen feuerfesten Pfanne etwas Butter erhitzen und den Teig eingießen. Zuerst am Herd anbacken, wenden und dann beidseitig im vorgeheizten Backrohr bei 180°C braun backen. Pfanne aus dem Rohr nehmen und Teig mit zwei Gabeln in kleine Stücke reißen. Rosinen einmengen, mit Kristallzucker bestreuen und nochmals kurz im Rohr karamellisieren. Mit Staubzucker bestreuen und auftragen.

Saugeil ist auch Mandelsplitter mit Butter und Zucker in der Pfanne zu karamellisieren und das drunterzumischen. Das haben wir bei der 2. Lage dann gemacht.

Dann haben wir ihn mit Rum flambiert. Kann man machen muss man aber nicht. Sicherer ists wohl ohne. Erst probieren, dann flambieren !

Die Rosinen kann man vorher mit 2 EL Rum in einem Topf erhitzen. Vor dem Weiterverarbeiten den Rum abgießen. Außerdem kann man bereits beim Eingießen des Teiges in die Pfanne die Hälfte der Rumrosinen einstreuen.
Das Ganze dauert bis es fertig ist, so ca. 8-10 Minuten bei 180 Grad

BACKROHRTEMPERATUR: 180°C

DAZU: APFELMUS UND/ODER VANILLEEIS ODER SO KIRSCHKOMPOTT

 

   
 
 
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